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Wintertagung 2015

Die diesjährige Wintertagung fand unter großer Beteiligung der IT-Beauftragten in der Landessportschule Frankfurt statt. Start war 9.00 Uhr mit freundlichen Begrüßungen, einem kollegialen Austausch, leckerem Kaffee, fruchtigen Säften und feinen Gedanken…

Ingo_Bosse 2Nach einer kurzen Begrüßung aller Teilnehmer durch Gerhard Röhner ging Jun. Prof. Dr. Ingo Bosse von der Technischen Universität Dortmund in seinem sehr kurzweiligen Vortrag auf die Thematik Medienbildung und Inklusion – wechselseitige Partizipationsgewinne ein. Zu Beginn stand der Begriff der Behinderung im Fokus. Fragen wie: Wann und in welcher Situation zeigt sich eine Behinderung, und in welchem Ausprägungsgrad? Können „normale“ Menschen in bestimmten Situationen einen höheren Grad einer Einschränkung haben als beispielsweise eine Person mit einer körperlichen Beeinträchtigung/Störung/Behinderung?

Ein zweiter Aspekt wurde in der  Thematik eines barrierefreien Netzes oder von anderen Medienangeboten (TV, Cinema, …) beleuchtet. Hier muss die UN-Konvention über Menschen mit Behinderungen Artikel 9 plus Artikel 8 und Artikel 24) herangezogen werden. Der Artikel 9: Zugänglichkeit und Nutzbarkeit weist hier deutlich darauf hin: „Medien sind ein wesentlicher Bestandteil für die vollständige Umsetzung der Grund- und Menscherechte für Menschen mit Behinderung.“„Die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit neuer Medien muss uneingeschränkt für alle Bevölkerungsgruppen gewährleistet sein.“

Inzwischen spielt auch das Thema Cybermobbing bei Menschen mit Behinderung eine Rolle. Hiezu finden sich im Netz verschieden Angebote. Ein Beispiel dafür findet sich hier.

Die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (8. März 2012 und 20.Oktober 2011) geben keine verbindenden Hinweise zu den Themen Medienbildung und Inklusion. Hingegen finden sich von der Enquete Kommision Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages (2012) einige Ausführungen: „Jede Schule sollte ein fächerübergreifendes Medienbildungskonzept als Teil des Schulprogramms entwickeln und umsetzen. Das bedeutet die Verankerung von Medienbildung in den Prüfungen und Lehrplänen für alle Fächer. (…)“ (S.90)…

Abschließend ging es um die Herausbildung von Medienkompetenz als inklusive Aufgabe. Hier wurde deutlich, dass Medienbildung immer Vermittlung von Medienkompetenz sein wird, wobei nie eine umfassende Medienkompetenz erreicht werden wird, da sich die technischen Möglichkeiten ständig erweitern werden. Im Folgenden werden Kriterien für inklusive Bildungsmedien aufgeführt:

  • Barrierefreies Webdesign und „Unniverselles Design“
  • Angemessenheit von Text und Sprache + „2 Sinne-Prinzip“
  • Individualisierung der Richtlinien und Lehrpläne
  • personalisierte Lernzugänge (min. 3. Schwierigkeitsstufen)
  • Lernen am Gemeinsamen Gegenstand
  • Feedback: erhöht Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit
  • Gut strukturiertes kooperatives / kollaboratives Lernen
  • Transfer auf reale Situationen förderlich

Anworten auf gestellte Fragen finden sich hier: Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik oder auf dem Bildungsserver.

Ein zweiter Vortag von Dr. Jan-René Schluchter (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) beschäftigte sich mit dem Thema Medienbildung bei Menschen mit Behinderung und schloss direkt an den ersten Vortrag  von Prof. Bosse an.

Inklusion sollte sich im gesellschaftlichen Kontext nicht ausschließlich an Menschen mit Behinderungen ausrichten, sondern ausgehend von einer Ungleichheitsperspektive eine Chancengleichheit herszustellen. Das betrifft alle Gruppen, die sich durch Diversität auszeichnen. Das können sozio-ökonomisch Benachteiligte sein, ältere Menschen, oder, oder, oder…

Dr. Schluchter ging der Frage nach, wie man Potentiole der Medienbildung nutzen kann. Folgende Aspekte wurden hierbei näher und umfänlich betrachtet und praxisnah untermauert:

Potentiale:

  • Zugang zu Medien
  • Alternative Ausdrucksformen
  • Selbstausdruck mit Medien
  • Erschließung neuer Erfahrungs-, Handlungs- und Komminikationsräume
  • Etablierung gemeinsamer Sozialisationsräume
  • (Mit)Gestaltung öffentlicher Kommunikationsräume
  • Persönlichkeitsbildung
  • Erwerb von Medienkompetenzen

Welche Rahmenbedigungen sind hierfür erforderlich?

    • Alltags-und Lebensweltorientierung
    • Ressorcenorientierung
    • Individualisierung
    • Vielfalt an Ausdrucks- und Rezeptionsformen
    • Barrierefreiheit
    • Assistive Technologien, Universelles Design, Unterstützte Kommunikation

Selbstorganisierte und -gesteuerte Arbeitsformen / Balance zwischen Struktur und Offenheit

Um verschiedenen Zielgruppen die Möglichkeit einzuräumen, sich besser zu integrieren, besser sozial einzubringen die soziale und politische Teilhabe besser zu gestalten, muss man Medienbildung als Empowerment verstehen. Empowerment muss hierbei auf individueller und sozial-strukturellen Ebene stattfinden. Weiterhin muss Empowerment auch auf medienpraktischer Ebene stattfinden. Dazu zählt die gemeinsame Bestimmung von Entwicklungsbereichen, dass Empowerment auf Augenhöhe stattfindet, dass keine normativen, zu erreichenden Zieldimensionen im Fokus stehen, dass Pädagogen als Begleiter agieren uvm..

Nach einer kurzen Pause stellte Hans Rauch (Hessischer Bildungsserver) den Wechsel der Seminarhomepages auf das neue Bildungsserversystem vor. Der Umzu erfolgt nach Djaco. Der folgende Link Umzug der Studienseminare nach Djaco führt direkt zu den wichtigsten Informationen.

Nach dem Mittagessen ging es mit zwei Worksho-Angeboten weiter.

Workshop A – Norbert Schröder
Tablets in der Inklusion – Werkzeuge zur Differenzierung und Förderung im Klassenverband

Hierbei ging es um Schülerinnen und Schüler, welche die Regelschule oder eben im Rahmen der Inklusion Regelschulen besuchen, oft technische Hilfsmittel zum Ausgleich ihrer Einschränkungen benötigen. Tablets können hier Unterrichtsprozesse gezielt unterstützen. Sie können bei körperlichen Beeinträchtigungen ebenso helfen wie bei Sinnesbehinderungen und kognitiven Einschränkungen. Eine kostspielige und mitunter auch umstrittene „1:1“ Tabletausstattung ist hierbei nicht erforderlich.

Ausgehend von dem folgenden Zitat „Erstes und letztes Ziel unserer Didaktik soll es sein, die Unterrichtsweise aufzuspüren und zu erkennen, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler dennoch mehr lernen, in den Schulen weniger Lärm, Überdruss und unnütze Mühe herrschen, dafür mehr Freiheit, Vergnügen und wahrhafter Fortschritt.“; ein Zitat, welches wie aus der heutigen Zeit zu sein scheint, jedoch aus dem Jahr 1657, der Großen Didaktik von Johann Ames Comenius ist, wurden bewährte Unterrichtssettings vorgestellt, in denen Tablets als Werkzeuge hilfreich sind. Der Workshop gab einen praxisnahen Überblick über  Nutzungsmöglichkeiten und stellte geeignete Apps vor. Eine besondere Einstellung, der geführte Zugriff (Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen/…), als eine auf bereits im Betriebssystem installierte Möglichkeiten eingegangen. Weiterhin wurden Methoden vorgestellt, mit denen sich auch Schüler mit Lernbehinderung oder Verhaltensauffälligkeiten aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligen können und sogar selber Unterrichtsmaterialien für andere Schüler produzieren können.

Eine sehr schöne App ist TextGrabber, welche sich bestens zum Vorlesen von Texten abietet… fotografieren – vorlesen – fertig! Fest im Betriebssystem verankert findet sich die Funktion Assistive Touch, eine Bedienmöglichkeit für Menschen mit Spasmen oder ähnlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen. Für Menschen mit Hörschädigungen gibt es Apps wie Spread the Sign; für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen TapTapSee, eine kostenintensive App, da hier im Hintergrund Bildbeobachter eingebunden sind…; für Menschen, die nicht sprechen können, gibt es Talker… es gibt einfach für verschiedene Störungen oder „Nichtstörungen“ viele verschiedene Möglichkeiten…

Workshop B – Yasmine Koch
Sprachförderung mit Tablets im DaZ-Unterricht

Das iPad bietet vielerlei Möglichkeiten zur Sprachförderung und Differenzierung im Unterricht in einer DaZ-Intensivklasse. Es werden kostenlose Apps zu den Bereichen Sprachproduktion und Sprachverständnis vorgestellt. Folgende Fächer werden abgedeckt: Mathematik, Deutsch, Kunst und Sachunterricht. Anschließend können alle vorgestellten Apps selbst ausprobiert werden. Verwendete Apps: Safari, Keynote, StopMotion und die Kamera.

Zum Abschluss der Tagung stellte Gerhard Röhner den Sachstand des Projekts Mefobi@n vor.

Wir wünschen allen Teinehmern eine gute Zeit, besinnliche Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2016… & bestimmt auch wieder mit spannenden Angeboten des Projektes…

Moderation: Joachim Eisenträger & Jörn E. von Specht

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